Kokedama - eine japanische Pflanzenkunst

Kokedama - eine japanische Pflanzenkunst

Kokedama - eine japanische Pflanzenkunst

Es ist Sonntagmorgen und für das Frühstück fehlt die noch die Zeitung. Du verlässt deine Wohnung, gehst die Straße hinunter, siehst schon deinen Stammkiosk drüben an der Kreuzung, aber plötzlich wirst du an der Ampel von einer Frau in grünem Overall angesprochen. Sie fragt dich, ob du dich für Pflanzen interessiert. „Natürlich!“, antwortest du und das runde Gesicht der Gärtnerin fragt euch, was du davon halten würdet, dein Wohnzimmer in eines der sieben Weltwunder zu verwandeln: Die Hängenden Gärten! Du bist skeptisch, suchst nach Anzeichen für Wahnsinn in den freundlichen Augen der Frau, findest aber keine und dann holt sie geschickt etwas hinter ihrem Rücken hervor: Eine Mooskugel aus der ein kleiner Bonsai wächst. In einer flüssigen Bewegung lässt sie die Kugel aus ihren Händen gleiten - sie scheint zu schweben - nur mit Anstrengung erkennt ihr die feine Schnur, die der Gärtnerin ihr Kunststück ermöglicht. 

Was sie da in den Händen hält, erinnert an Miyazakis Film “Das Schloss im Himmel” (Studio Ghibli), nennt sich aber Kokedama. Die Hängenden Gärten der Antike sollen ein 100 x 100 Meter großes Quadrat gebildet haben - soviel Platz muss es für den natürlichen, hängenden Blumentopf (ohne Topf) nicht sein. Ein winziger Haken in der Decke reicht, um den Moosball auch im kleinsten Zimmer zu platzieren. Architektur und ihre Bepflanzung bilden nicht erst seit der Diskussion um den Klimawandel eine Einheit, die Begrünung unseres Lebensraums hat eine lange Tradition.

 

Wo kommt die Idee der Kokedama her?

Kokedama liegt an der Kreuzung zwischen Ikebana, der Kunst, Blumen zu arrangieren, und Bonsai, der Kunst, Pflanzen perfekt zu beschneiden. Im Leumund werden die Mooskugeln auch “Bonsai des armen Mannes” genannt. Die Pflanzenkunst entstand in Japan im 17. Jahrhundert in der damaligen Hauptstadt Edo (heute Tokio). Populär wurde die Kokedama in Japan Anfang der 1990er Jahre und nimmt jetzt auch im Westen immer mehr an Bedeutung zu.

Wörtlich übersetzt als "Moosball" (Dama bedeutet Ball und Koke bedeutet Moos) ist Kokedama eine Pflanzenkunst, bei der die Pflanze in ihrem Substrat aus Erde, Ton und Akadama, einem kleinen Vulkangestein, gedeiht, umwickelt mit Moos und Garn, ohne dass ein Topf benötigt wird.

 

Was beinhaltet die Kunst der Kokedama? 

Weniger bekannt als Ikebana oder Bonsai ist Kokedama am Ende des letzten Jahrhunderts als eine Möglichkeit erschien, den dringenden  Bedürfnissen eines anspruchsvolleren urbanen Lebensstils gerecht zu werden. Im Gegensatz zu Ikebana-Arrangements und Miniaturbäumen ist kein dedizierter Raum, ein Tokonoma, erforderlich, sodass Kokedama problemlos in Apartments und kleinere, weniger traditionelle Innenräume integriert werden können. Aber dennoch behält es immer noch diese wesentliche Verbindung mit der äußeren, natürlichen Umwelt bei, die den Japanern so am Herzen liegt und jetzt auch im Westen geschätzt wird. Dieser Moosball ist ein lebendiger Mikrokosmos, den wir erschaffen und der weniger häufige Pflege erfordert als Bonsai. 

Man kann sagen, Kokedama drückt Japan in konzentrierter Form aus und ist zudem eine bescheidene tägliche Unterstützung für Meditation und Entspannung. 

 

Welche Pflanzen eignen sich am besten für eine Kokedama? 

Tatsächlich funktioniert der Blumentopf ohne Topf jedoch auch mit vielen anderen Pflanzen als Bonsai - Sukkulenten, Kakteen, Farne, Orchideen, sogar eine Monstera deliciosa kann man in eine Kokedama verwandeln. Der Unterschied zwischen den einzelnen Pflanzen ist die Haltbarkeit und der Pflegeaufwand. 

Monstera deliciosa Kokedama Fensterblatt Pflanzenbommel fliegende Pflanzen

Wie pflegt man eine Kokedama?  

Kokedama sind eigentlich ziemlich pflegeleicht. Der Erdball liefert der Pflanze alle Nährstoffe die sie benötigt. Damit die Pflanze mit Wasser versorgt wird, taucht man den Ball in regelmäßigen Abständen (je nach Pflanzenart, mehr oder weniger häufig) in eine Schale mit Wasser. Beim Tauchbad bietet es sich auch an, die Blätter der Pflanze vom Staub zu reinigen. Das Moos muss zudem regelmäßig besprüht werden, damit es nicht braun wird. 
Bei manchen Pflanzen kann man auch immer mal wieder etwas Dünger mit ins Tauchwasser geben. 

Wie baut man eine japanische Mooskugel? 

Eine Kokedama zu bauen sieht schwerer aus als es ist. Es gibt verschiedene Techniken wie man die Erde um die Wurzel formt und auch die Liste der Zutaten variiert von Kokedamastylist zu Kokedamastylist.

Man braucht in jedem Fall: 

  • Erde (Bonsaierde wenn man einen Bonsai hat)
  • Wasser
  • Moos
  • Blumendraht oder Nylonschnur oder sonstiges Garn
  • Schale und Schere 
1. Schritt: Wähle eine Topfpflanze von angemessener Größe, die im Idealfall nicht das Potential hat, sich in einen Riesen zu verwandeln. Befreie die Pflanze aus ihrem Topf und entferne die Erde um die Wurzeln herum. Mit ein wenig Schütteln kann man ganz leicht die lockere Erde an den Wurzeln der Pflanze lösen. Sollten ein paar der Wurzeln zu lang sein, ist es kein Problem, diese zu kürzen.
2. Schritt: Erdmixtur herstellen. Da gibt es viele verschiedene Rezepte. So mischen manche in ihren Zutaten Lehmerde (Akadama) hinzu, andere Bentonit, wieder andere Kokoshum. Letztlich sollte man sich bei der Herstellung der Erdmischung an den Bedürfnissen der Pflanze orientieren. Hat man einmal die richtige Erdmischung hergestellt, schüttet man nun soviel Wasser hinzu, bis man eine klebrige Mischung hat, die gut aneinander klebt. Jetzt wird in einem nächsten Schritt das “Dama” geformt.
3. Schritt. Nun ist Augenmaß gefragt. Es gilt, sich für eine Ballgröße zu entscheiden. Die Kugel sollte in einem angemessenen Verhältnis zur Pflanze stehen. Auch hier variiert die Vorgehensweise.
Manche formen erst eine Kugel um dann von oben ein Loch hineinzubohren, so tief, dass die Wurzeln hineinpassen. Andere teilen die geformte Kugel in zwei Hälften, legen die Wurzeln dazwischen und drücken die Hälften wieder aneinander. Wir formen die Erde um die Wurzeln bis eine Kugel entsteht.
Oft wird vorab Sphagnum Moos um die zuvor von Erde befreiten Wurzeln gewickelt, da ihm eine gute Wasserbindefähigkeit zugeschrieben wird. Warum wir kein Sphagnum Moos verwenden kannst du hier nachlesen.
4. Schritt: Zum Abschluss wird dann zumeist Plattenmoos Kreuz und quer um den Erdball mit Hilfe von Blumendraht, Jutegar oder Nylonschnur gewickelt. Solange bis man die Erde nicht mehr sieht und es sich fest anfühlt.
Er voilà, fertig ist die Kokedama. 
 

Wo platziert man eine Kokedama?

Nicht alle Kokedama schweben, viele platzieren sie auch auf Tellern oder anderen Unterlagen - willst du jedoch in die Fußsstapfen der hängenden Gärten treten, dann befestige eine Schnur mittig an der Kugel und hänge sie mit einem Haken an der Deckenstelle deiner Wahl auf. Ein Hinweis zur Ausrichtung: Keineswegs muss deine Pflanze “gerade” hängen, den Pflanzen geht es auch in der Horizontalen oder Vertikalen - kopfüber - ausgezeichnet.

 

Was lehrt uns die Pflanzenkunst Kokedama über ihren dekorativen Aspekt hinaus?

Im Allgemeinen ist Kokedama ein Mikrokosmos, der es uns, ähnlich wie das Vorhandensein von Pflanzen in jeder anderen Eigenschaft, ermöglicht, mit einer natürlichen Umgebung in Verbindung zu bleiben, die uns oft in unseren bebauten Städten fehlt.
Kokedama verkörpert einige der Prinzipien der Zen-Philosophie und der japanischen Ästhetik Wabi-sabi: Natürlichkeit, Ruhe und Einfachheit. 

Wabi sabi ist die Ansicht oder der Gedanke, Schönheit in jedem Aspekt der Unvollkommenheit in der Natur zu finden. Es geht um die Ästhetik der Dinge, die als “unvollkommen, unbeständig und unvollständig” bekannt sind. 

Jetzt bist du dran: 

Mit unserem Kokedama DIY Kit hast du bereits alle Materialien die du benötigst um dich in Achtsamkeit zu üben und dir deine eigene Kokedama zu bauen. Die Kokedama DIY Box gibt es wahlweise mit Pflanze oder ohne Pflanze